Bewertung im Recht

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Zum systematischen Bewertungsfehler im Nachsteuer-Kalkül der Unternehmensbewertung – zugleich eine kritische Analyse des Status quo anhand eines Praxisfalls –

Autor(en) des Original-Beitrags: 
Professor Dr. Behzad Karami
Veröffentlichungsjahr: 
2021
Letzte Aktualisierung: 
26.02.2021
Gliederung: 
  1. Ausgangssituation: alte Zweifelsfragen, neue Problemfelder und alternative Ansätze
  2. Sachgerechte Bestimmung des unternehmensspezifischen effektiven Kurs- oder Veräußerungsgewinnsteuersatzes und Auswirkungen auf die Ausschüttungsäquivalenz
    1. Fundierte Ermittlung des effektiven Kurs- oder Veräußerungsgewinnsteuersatzes bei variierenden Wachstumsraten im Phasenmodell
    2. Ausschüttungsäquivalenz und Kapitalwertneutralität im Tax-CAPM
  3. Beta-Anpassungsformel: Grundsätzliche Anmerkungen zum „Unlevering“ und „Relevering“
    1. Miles/Ezzell vs. Harris/Pringle
    2. Risikoanpassung im CAPM bzw. Tax-CAPM
  4. Praxisfall als Anschauungsbeispiel
    1. Integrierte Planungsrechnung
    2. Unternehmensbewertung gemäß Bewertungsgutachten
    3. Alternativer (fundierter) Bewertungsansatz
      1. Bestimmung der Bewertungsparameter zur Ableitung der Betafaktoren
      2. Ermittlung des Unternehmenswertes im Vorsteuer-Kalkül
      3. Ermittlung des Unternehmenswertes im Nachsteuer-Kalkül
  5. Schlussbetrachtung
Redaktionelle Zusammenfassung: 

Bei der Unternehmensbewertung ist die Relevanz von persönlichen Steuern in Form einer Dividenden- und Kursgewinnbesteuerung sowie die Anwendung von Anpassungsformeln bei nur eingeschränkt aussagekräftigen Betafaktoren des Bewertungsobjektes unbeschadet der damit verbundenen Komplexitätszunahme unstrittig. Gegenstand zahlreicher Diskussionen im Schrifttum ist insbesondere die Problematik der sachgerechten Bestimmung der Nachsteuer-Marktrisikoprämie im Tax-CAPM sowie der korrekten modelltechnischen Umsetzung der Kursgewinnbesteuerung im Nachsteuer-Kalkül. Demgegenüber mangelt es bislang an einer kritischen Auseinandersetzung hinsichtlich der konsistenten Abstimmung zwischen der den (gewöhnlich diskreten) Bewertungsmodellen zugrunde gelegten Annahmen und den verwendeten Bewertungsparametern. Speziell geht es hier um die Frage der praktischen Eignung eines allgemeingültigen typisierten Kursgewinnsteuersatzes und der bevorzugten Harris/Pringle-Anpassungsformel. Im Ergebnis ist zu konstatieren, dass ein unreflektierter, vom Einzelfall losgelöster Einsatz typisierter Größen und/oder Anpassungsformeln (vermeidbare) systematische Bewertungsfehler provoziert. Da bislang – soweit ersichtlich – eine ganzheitliche Analyse der konkreten Wirkungszusammenhänge respektive Abhängigkeiten verwendeter Parameter im Nachsteuer-Kalkül fehlt, ist das Ziel dieses Diskussionsbeitrages, auf nach wie vor bestehende modelltheoretische Inkonsistenten hinzuweisen sowie sachgerechte Formeln herzuleiten oder bestehende weiter zu spezifizieren und diese anhand eines für didaktische Zwecke aufbereiteten tatsächlichen, anonymisierten Bewertungsfalls darzustellen.