Bewertung im Recht

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Wie frostig ist die „FRoSTA“-Entscheidung des BGH in der Rechtsrealität? Kurseffekte bei Delisting-Ankündigungen im Lichte der aktuellen Medienberichterstattung – (Teil-)Ergebnisse einer empirisch-ökonomischen Untersuchung

Autor(en) des Original-Beitrags: 
Dipl.-Kfm. Dr. Behzad Karami; Dipl.-Kfm. Dr. Balázs Cserna; Dipl.-Inform. René Schuster
Veröffentlichungsjahr: 
2015
Gliederung: 
  1. Kapitalmarktrechtlicher Anlegerschutz
  2. Kurze Rekapitulation der (höchstrichterlichen) Rechtsprechung von „Macrotron“ bis „FRoSTA“
  3. Ökonomisch fragwürdige Stellungnahme des DAI vom Oktober 2010
  4. Empirische Befunde zu Kursreaktionen auf die erstmalige Ankündigung einer Delisting-Absicht am deutschen Kapitalmarkt im „FRoSTA“-Zeitalter
    1. Einige Anmerkungen zur aktuellen Medienberichterstattung
    2. Ökonomisch-empirische Untersuchung von Karami/Cserna/Schuster
      1. Untersuchungsstichprobe
      2. Untersuchungsmethodik
      3. Empirische Ergebnis der Signifikanzprüfung: Kursreaktion auf die Ankündigung eines Delisting?
  5. Fazit
Redaktionelle Zusammenfassung: 

Der Beitrag von Karami/Cserna/Schuster untersucht vor dem Hintergrund der stark umstrittenen „FRoSTA“-Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) vom 8. Oktober 2013 (II ZB 26/12) die Aktienkursreaktion bei Delisting-Ankündigungen am deutschen Kapitalmarkt auf der Grundlage einer Ereignis-Studie. Schließlich ist seit „FRoSTA“ nachweislich ein Trend zu beobachten, dass sich immer mehr börsennotierte Gesellschaften i. S. des § 3 Abs. 2 AktG vom regulierten Markt zurückziehen. Unter dieser allgemein als „Delisting“ bekannten Maßnahme wird im Regelfall sowohl der vollständige Rückzug von allen Handelsplätzen im In- und Ausland („Total-Delisting“) als auch der Wechsel in den privatrechtlich organisierten Freiverkehr („Downlisting“) verstanden.

Die aktuellen (jedoch nicht endgültigen) Ergebnisse der vorliegenden Ereignis-Studie verdeutlichen, dass der Kapitalmarkt insbesondere auf eine Rückzugsabsicht aus dem qualifizierten Freiverkehr mit einer statistisch signifikanten negativen Aktienkursentwicklung reagiert. Weiterhin bleibt festzuhalten, dass – anders als im Schrifttum gewöhnlich vermutet wird – der Kapitalmarkt auf ein „echtes“ Delisting aus dem regulierten Markt nicht mit signifikant fallenden Aktienkursen reagiert. Einen signifikanten Einfluss auf die Höhe der ermittelten kumulierten durchschnittlichen abnormalen Renditen scheint vor allem auch der Streubesitz auszuüben.

Die aktuelle Studie (Stand: 09/2015) zum Kurs- und Liquiditätseffekt im "FRoSTA"-Zeitalter ist hier abrufbar.