Bewertung im Recht

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Fachportal für Bilanz- und Gesellschaftsrechtliche Bewertungsfragen

Wert- und Kostenbegriffe - der Versuch einer Vereinheitlichung

Bei jeder Bewertung sind die Rahmenbedingungen (Bewertungszweck und Bewertungskontext) für den im jeweiligen Einzelfall zu verwendenden Wert- und Kostenbegriff maßgeblich
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Prof. Dr. Behzad Karami

Das nachfolgende, sehr umfangreiche Glossar wurde von einer Arbeitsgruppe, bestehend aus erfahrenen Bewertungspraktikern, der IHK München erstellt. Insbesondere wird an Richter appelliert, sich an dem im Rede stehenden Glossar zu orientieren, wenn sie einen Beweisbeschluss erlassen, welcher die Ermittlung eines Wertes zum Gegenstand hat. Ferner sollten gerichtlich bestellte Sachverständige in ihrem Gutachten präzise beschreiben, welchen Wertbegriff sie im Gutachten ermitteln und diesen dann entsprechend (etwa mit Hilfe des Glossar) klar definieren. Schließlich lehrt die Erfahrung, dass nicht lediglich in Theorie, sondern auch und vor allem in der Bewertungspraxis – genauer in gerichtlichen Beweisbeschlüssen und in Sachverständigengutachten – häufig verschiedene Wert- und Kostenbegriffe sowie andere Fachtermini verwendet werden, die teilweise uneinheitlich definiert und fachbereichsspezifisch verschieden eingesetzt werden. Daher ist das Ziel der Arbeitsgruppe, wichtigste Wert- und Kostenbegriffe fachübergreifend einheitlich zu definieren. Im Folgenden wird das Glossar auszugsweise präsentiert, weil es auch Bewertungspraktikern (außerhalb gerichtlicher Streitfälle) dienlich sein kann.

Wertbegriffe

Begriffsklärung

Anschaffungswert

umfasst die Ausgaben, die zur Zeit der Anschaffung aufgewendet werden mussten, um den Bewertungsgegenstand zu erwerben (§ 255 HGB).

Anteilswert

entspricht dem quotale Wert des ganzen Bewertungsgegenstandes (z.B. in Bezug auf ein Unternehmen)

Auktionswert

ist der im Teilabsatzmarkt (Auktion) erzielbare Zuschlagswert (= Hammerpreis) für einen Bewertungsgegenstand zzgl. der Summe aus Aufgeld und Steuern. Wert, der durch den Preis bestimmt ist, den ein Bieter/Erwerber aufwenden muss, um den ersteigerten Gegenstand zu erwerben.

Beleihungswert

ist ein bankspezifischer Wert und stellt eine Wertprognose dar. Er ist inhaltsgleich mit dem Verkehrswert/Marktwert abzüglich bestimmter Risikoabschläge für das Verwertungsrisiko im Zwangsverwertungsfalle (§ 16 PfandBG). Der Beleihungswert darf den Marktwert nicht übersteigen

Bestandswert

Unternehmen (Lagerbestand):

Buchhalterischer Wert des Materials innerhalb eines Lagers zu einem Stichtag.

Forstwirtschaft:

Der Wert eines Wald-Holzbestandes ergibt sich aus dem Abtriebswert im Alter der Umtriebszeit, den Kulturkosten, dem Alterswertfaktor und dem Bestockungsgrad im Alter.

Bodenrichtwert

ist der durchschnittliche, auf einen Quadratmeter Grundstücksfläche bezogene Grundstückswert für ein bestimmtes Gebiet, der vom örtlich zuständigen Gutachterausschuss nach § 196 BauGB für unbebaute, baureife, erschließungsbeitragsfreie Grundstücke zu ermitteln ist.

Einheitswert

ist ein steuerlicher Begriff und stellt die Bemessungsgrundlage für Steuern und Abgaben dar. Er wird für inländischen Grundbesitz, Betriebe der Land- und Forstwirtschaft und für Grundstücke (auch Betriebsgrundstücke) durch die Steuerbehörde festgesetzt (§ 19 BewG bis § 109 BewG)

Einlagewert

ist ein steuerlicher Begriff und entspricht dem Gemeinen Wert nach § 9 Abs. 1 BewG (siehe auch §§ 6, 7, 10 EStG)

Erbschaftsteuerwert

ist der Wert, der nach dem Erbschaftsteuergesetz (ErbStG) als Grundlage zur Feststellung der Erbschaftsteuer nach dem Bewertungsgesetz (BewG) zu errechnen ist. Siehe hierzu § 12 ErbStG i.V. mit § 9 BewG (Gemeiner Wert) und spezifisch §§ 10, 11, 19, 95, 99, 103, 137 BewG

Erbteilungswert

ist der Wert von Teilen der Erbschaft, wenn die Vermögensteile nicht in ihrer Gesamtheit an eine Person übergeben werden oder eine unterschiedliche Bewertung von Vermögensteilen nach dem Erbschaftsteuergesetz erforderlich ist. Die Bewertung richtet sich (auch hier) nach dem BewG – §§ 3-8 i.V. mit 12 ErbStG

Ertragswert

stellt die Barwertsumme aller zukünftigen, nachhaltigen Reinerträge (Immobilien – § 17 ImmoWertV) bzw. finanzielle Überschüsse (Unternehmen) eines Bewertungsgegenstandes dar und ist somit ein Zukunftserfolgswert.

Fair Value

ist ein Begriff aus den internationalen Rechnungslegungsvorschriften International Accounting Standards/International Financial Reporting Standards (IAS/IFRS) i. S. des IFRS 13, somit ein Bilanzterminus. Er wird in der deutschen Übersetzung als „beizulegender Zeitwert/Verkehrswert/Marktwert“ (siehe dort) bezeichnet.

Facheinzelhandelswert

wird durch den Preis bestimmt, den der leistungsfähige und seriöse Facheinzelhandel (Galerien, Antiquitätenhandel) für Bewertungsgegenstände in neuwertigem respektive gebrauchtem Zustand verlangt. Er entspricht dem Auktionswert zzgl. einer üblichen Marge des leistungsfähigen und seriösen Facheinzelhandels.

Fortführungswert

ist der Wert, wenn ein Unternehmen nicht zerschlagen, sondern fortgeführt wird. Der Fortführungswert unterscheidet sich grundsätzlich vom Liquidationswert. Die Bewertung kann sich z. B. nach dem Bewertungsgesetz (§ 10 BewG) und ggf. der Insolvenzordnung (InsO) richten. Der Fortführungswert kann sich aus der Summe der Einzelfortführungswerte oder dem Ertragswert des Unternehmens ergeben.

Gebrauchswert

wird durch den subjektiv geschätzten Nutzen oder die objektiv gegebene Eignung eines Gutes zur Befriedigung von Bedürfnissen und zur Erfüllung bestimmter Zwecke, ohne Berücksichtigung von Nebenkosten, bestimmt. In der Landwirtschaft spricht man vom wirtschaftlichen Gebrauchswert.

Gemeiner Wert

wird durch den Preis bestimmt, der im gewöhnlichen Geschäftsverkehr nach der Beschaffenheit des Wirtschaftsgutes bei einer Veräußerung zu erzielen wäre. Dabei sind alle Umstände, die den Preis beeinflussen, zu berücksichtigen. Ungewöhnliche oder persönliche Verhältnisse sind nicht zu berücksichtigen (§ 9 Abs. 2 BewG)

Der Gemeine Wert ist grundsätzlich inhaltsgleich mit dem Verkehrswert, Marktwert und mit dem Fair Value.

Handelswert

wird als der im Handelsverkehr zu erzielende Durchschnittspreis (Marktwert) eines Bewertungsgegenstandes bezeichnet. (§ 255 HGB)

Händler – Ein- / Ankaufswert

ist der Betrag, der von einem Händler für einen Bewertungsgegenstand bezahlt wird, ohne dass hierbei besondere Umstände, wie z. B. Inzahlungnahme bei Kauf eines neuen Objektes oder Ähnliches, berücksichtigt werden.

Händler – Verkaufswert

ist der Betrag, zu dem ein Händler einen Bewertungsgegenstand veräußert ohne Berücksichtigung besonderer Umstände.

Installationswert

umfasst die Kosten der Installation des Bewertungsgegenstandes einschließlich der Inbetriebnahme vor Ort.

Kurswert

ist der Wert eines Wertpapiers aufgrund seines Börsenkurses. Unterschieden wird in Stücknotiz (Kurswert = Wertpapierkurs) und Einheitsnotiz (Effekten in Prozent des Nominalwertes).

Liebhaberwert

wird von persönlichen und subjektiven Kriterien geprägt, die einzelne Marktteilnehmer einem Bewertungsgegenstand zumessen und die einen unterschiedlichen und nicht objektivierbaren Aufschlag/Abschlag  auf den Marktwert beinhalten. Als Bewertungsbasis zur Marktwertermittlung nicht geeignet.

Liquidationswert

ist die Summe (Barwerte) der Nettoerlöse (unter Berücksichtigung latenter Ertragssteuern), die sich aus der Veräußerung der Vermögensgegenstände abzüglich Schulden und Liquidationskosten ergeben. Der Liquidationswert unterliegt der Annahme der Auflösung des Unternehmens/bzw. Vermögensgegenstands.

Marktwert

Market Value (int.)

Der Begriff Marktwert ist inhaltsgleich mit dem Verkehrswert.

Market Value ist der englische Begriff für Marktwert (Verkehrswert) und inhaltsgleich mit dem Fair Value.

Hinweis: Der Verkehrswert hat durch das Europarechts-AnpassungsgesetzBau (EAGBau) vom 24.6.2004 den Klammerzusatz „Marktwert“ erhalten. Entsprechende Zusätze wurden in § 194 BauGB und in § 1Abs. 1 ImmoWertV verankert. Verkehrswert, Marktwert, Gemeiner Wert, Market Value und Fair Value sind inhaltsgleiche Begriffe. Außerdem besteht Inhaltsidentität mit dem internationalen Begriff Market Value der TEGoVA (Internationale Grundstücksbewerter-Organisation.)

KfZ: Mit dem Marktwert wird häufig aus versicherungsvertragsrechtlichen Gründen (Kaskobedingungen für Oldtimer-Sondertarife) der Wiederbeschaffungswert eines Oldtimers bezeichnet. Hierbei handelt es sich i. d. R. um den Durchschnittspreis am Privatmarkt.

Materialverkaufswert

wird durch den Preis bestimmt, der bei Veräußerung aller wertbildender Materialen eines Bewertungsgegenstandes am Markt erzielbar wäre unter Berücksichtigung etwaiger Kosten (z.B. Scheidekosten).

Materialwert

umfasst die Kosten für den Erwerb aller Bestandteile, die für die Herstellung eines Bewertungsgegenstandes aufzuwenden sind.

Mietwert

ist das zu erwartende Entgelt (objektive Ertrag) für die Gebrauchsüberlassung einer Mietsache (Wohnung, Büro, Lager u. a.) unter Berücksichtigung der Faktorausstattung. Er kann vom tatsächlich erzielten Ertrag abweichen.

Minderwert

bezeichnet ganz allgemein die Summe Geldes, die ein Bewertungsgegenstand durch einen Mangel, einen Schaden oder durch eine Reparatur an Wert verlieren kann.

Merkantiler Minderwert

meint einen Vermögensschaden, der bei beschädigten oder mangelhaften Sachen trotz technisch einwandfreier Reparatur durch Abschlag vom Marktwert eintreten kann.

Technischer Minderwert

verbleibt, wenn trotz sorgfältiger und fachgerechter Reparatur der Sache nicht sicher der gleiche technische Zustand (Gebrauchsfähigkeit, Betriebssicherheit Lebensdauer, äußeres Bild) wie vor der Beschädigung wiederhergestellt werden kann.

Mindestwert

Der für ein Grundstück anzusetzende Wert darf bei der Feststellung des Einheitswertes nicht geringer sein als der Bodenwert ohne Bebauung. Gebäudeabbruchkosten dürfen vom Mindestwert abgezogen werden (§ 77 BewG)

Neuwert

umfasst die Kosten, die für den Bewertungsgegenstand in neuem Zustand aufzuwenden wären. Zu beachten sind in diesem Kontext die speziellen versicherungstechnischen Definitionen zum Neuwert.

Nutzungswert

ist der zu erwartende Wert bei einer weiteren Nutzung eines Bewertungsgegenstandes an Ort und Stelle unter Berücksichtigung des Alters, der Abnutzung und des Gebrauchs.

Objektivierter (Unternehmens-) Wert

ist ein typisierter und intersubjektiv nachprüfbarer, von den individuellen Wertvorstellungen betroffener Parteien unabhängiger Zukunftserfolgswert eines Unternehmens. Dabei ist die Fortführung des Unternehmens auf Basis des bestehenden Unternehmenskonzepts mit allen realistischen Zukunftserwartungen im Rahmen der Marktchancen, Risiken und finanziellen Möglichkeiten des Unternehmens sowie alle sonstigen Einflussfaktoren zu berücksichtigen (IDW S 1)

Pachtwert

ist ein aus nachhaltig erzielbaren Pachterträgen – unter Berücksichtigung eines ordentlichen und durchschnittlich qualifizierten Betreibers – abgeleiteter Objektwert.

Residualwert

ist der Wert, der sich bei einem Neubauvorhaben auf Kostenkalkulationsbasis ergibt, wenn alle Bau-, Entwicklungs- und Vermarktungskosten einschließlich Unternehmergewinn von den errechneten Gesamtkosten der Baumaßnahme abgezogen werden und somit nur noch der Bodenwert (Residuum = tragbarer Bodenwert) als offener Restposten übrig bleibt.

Restwert

ist der Wert nach Ablauf der zugrunde gelegten Detailplanungsphase oder der technischen Nutzungsdauer oder nach einem Schadensereignis.

Rumpfwert

kann ein funktionierender Bewertungsgegenstand haben, der bereits die übliche Nutzungsdauer überschritten hat und noch in Betrieb ist oder zum Schadenszeitpunkt war.

Sachwert

setzt sich zusammen aus dem Wert des Bodens einschließlich Nebenkosten und dem Wert der baulichen Anlagen, generiert aus den Herstellungskosten einschließlich Nebenkosten aller Gebäude samt Außenanlagen und sonstigen Anlagen unter Berücksichtigung des Gebäudealters sowie der Bauschäden und Baumängel (§§ 21, 23 ImmoWertV)

Sammlungswert

über die Summe der Einzelwerte hinausgehende Wertermittlung, die sich aus Zusammensetzung, Einzigartigkeit, Vollständigkeit, kunst- und kulturhistorischer Bedeutung einer Sammlung ergeben kann (§ 13 Abs. 1 ErbStG).

Schätzwert

ist der von einem Richter, Sachverständigen zum Zwecke des Verkaufs, der Verpachtung, der Versicherung, der Beleihung durch Schätzung ermittelte Wert eines Bewertungsgegenstandes.

Schiedswert

ist der Wert, den der Schiedsgutachter in einer Konfliktsituation unter Berücksichtigung der vertraglichen Vereinbarung mit den Parteien festsetzt (§§ 317, 319 BGB)

Schrottwert

ist der Wert, der sich bei Veräußerung eines nicht mehr reparaturwürdigen Bewertungsgegenstandes am Ende seiner Nutzungsdauer unter Berücksichtigung möglicher Ausbau-, Abbruch- und Entsorgungskosten ergeben kann.

Subjektiver Entscheidungswert

ist der Wert, den ein Investor unter Berücksichtigung der vorhandenen, individuellen Möglichkeiten und Planungen einem Unternehmen maximal zumisst oder ein Verkäufer mindestens verlangen muss, um seine ökonomische Situation durch die Transaktion nicht zu verschlechtern.

Substanzwert

ist der Wert eines Unternehmens, der sich aus der Addition der Werte der einzelnen Vermögensgegenstände nach Abzug der Schulden ergibt (§ 11 BewG)

Taxwert

ist ein veralteter Begriff und Synonym für Schätzwert.

(Feste) Taxe

bedeutet, dass der Versicherungswert durch Vereinbarung auf einen bestimmten Betrag (Taxe) festgesetzt wird. Die Taxe gilt auch als der Wert, den das versicherte Interesse bei Eintritt des Versicherungsfalles hat, es sei denn, sie übersteigt den wirklichen Versicherungswert zu diesem Zeitpunkt erheblich (§ 76 VVG)

Teilwert

ist der Wert, den der Erwerber eines ganzen Unternehmens im Rahmen des Gesamtkaufpreises für den Bewertungsgegenstand ansetzen würde, wenn das Unternehmen fortgeführt wird (§ 10 BewG)

Verkehrswert

wird durch den Preis bestimmt, der im gewöhnlichen Geschäftsverkehr nach der Beschaffenheit des Bewertungsgegenstandes bei einer Veräußerung zu erzielen wäre. Dabei sind alle Umstände, die den Preis beeinflussen, zu berücksichtigen. Ungewöhnliche oder persönliche Verhältnisse bleiben außer Betracht. Der Verkehrswert entspricht dem Gemeinen Wert (§ 9 Abs. 2 BewG, § 194 BauGB)

Vergleichswert

wird durch den Preis bestimmt, den vergleichbare Objekte am Markt schon erzielt haben. Die Vergleichbarkeit bezieht sich auf Art, Alter, Maß, Beschaffenheit, Qualität, Technik, Erhaltungszustand etc. (§§ 15 ImmoWertV)

Versicherungswert

ist der Wert, der in den einzelnen Versicherungssparten durch die Bedingungen des Versicherungsvertrages und die Allgemeinen Versicherungsbedingungen oder das Gesetz bestimmt wird.

Zu unterscheiden ist bei:

Sachversicherungen: Neuwert, Zeitwert, Gemeiner Wert/ Verkehrswert, (feste) Taxe und Wiederbeschaffungswert

Haftpflichtversicherungen: Wiederbeschaffungswert

Wert des Mangels

ist im Regelfall gleich den Kosten zur Herstellung eines mangelfreien Zustands.

Wiederbeschaffungswert

ist der Betrag, der üblicherweise aufgewendet werden muss, um einen gleichartigen und gleichwertigen Bewertungsgegenstand unter Berücksichtigung des jeweils relevanten Marktes zu erwerben.

Zeitwert (technischer, beizulegender)

Zeitwert (technisch):

ist der Wert eines Bewertungsgegenstandes unter Berücksichtigung von Alter, Betriebszustand, insbesondere Abnutzung und Instandhaltung, Verwendung, Einsatz sowie der durchschnittlichen technischen Lebens- und Nutzungsdauer (§ 254 Abs. 4 HGB)

Zeitwert (IFRS 13):

ist der Preis, der in einem geordneten Geschäftsvorfall zwischen Marktteilnehmern am Bemessungsstichtag für den Verkauf eines Vermögenswertes eingenommen bzw. für die Übertragung einer Schuld gezahlt würde (IAS 16, 40 i.V. mit IFRS 13)

Zerschlagungswert

ist ein Terminus des Insolvenzrechts und meint die Liquidation im Insolvenzverfahren; d. h. je kürzer die Liquidationsgeschwindigkeit, desto höher die Wertverluste.

Zuschlagswert

ist ein im Teilabsatzmarkt (Auktion) erzielbarer Zuschlag (= Hammerpreis) für einen Bewertungsgegenstand ohne Berücksichtigung von Auf- bzw. Abgeld und Steuern. Dieser sollte international abrufbar und transparent sein.

Quelle: Arbeitsgruppe der IHK München u. Oberbayern: Wert- und Kostenbegriffe im Sachverständigenwesen, DS 2016, 76 ff.

Zuschläge

Begriffsklärung

Fungibilitätszuschlag

ist ein Zuschlag wegen fehlender Handelbarkeit z. B. zum Basis -/ Kapitalisierungszinssatz. Im Ergebnis führt dies zu einem Abschlag beim Wert.

Marktzuschlag bzw. -abschlag

Der Marktzuschlag oder -abschlag ist ein Marktanpassungsfaktor. Damit wird berücksichtigt, dass die nach einem bestimmten Verfahren ermittelten Werte an die aktuelle regionale Marktlage angepasst werden, um zum Verkehrswert zu gelangen (§§ 8 ff. ImmoWertV)

Paketabschlag

Immobilien: bei einem Verkauf größerer Immobilienbestände an einen Käufer wird i. d. R. keine Einzelbewertung vorgenommen. Der Verkäufer erspart sich die Einzelvermarktungskosten, die Vermarktungszeit und das Vermarktungsrisiko. Der Käufer muss in Kauf nehmen, dass einzelne Teilobjekte unverwertbar sind. Dies führt zu üblichen Abschlägen von 15 % bis 35 %.

Kunst: wenn eine Vielzahl von gleichartigen Werken bzw. eine Sammlung (als Sachgesamtheit) zu bewerten ist. Dies führt teilweise zu erheblichen Abschlägen.

Paketzuschlag bzw.

Unternehmen: wenn der Anteil der Gesellschaftsanteile bzw. der Wertpapiere einen erhöhten wirtschaftlichen Einfluss (Stimmrechte) ermöglicht.

Sammlungszuschlag

Kunst: wenn eine Sammlung mehr wert ist als die Summe ihrer Teile z. B. wegen Vollständigkeit, einer besonders wertbildenden Provenienz (selten).

Quelle: Arbeitsgruppe der IHK München u. Oberbayern: Wert- und Kostenbegriffe im Sachverständigenwesen, DS 2016, 76 ff.

Kostenbegriffe

Begriffsklärung nach der Betriebswirtschaftslehre

Anschaffungskosten

Anschaffungskosten sind Aufwendungen, die geleistet werden, um einen Vermögensgegenstand zu erwerben und ihn in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen, soweit sie dem Vermögensgegenstand einzeln zugeordnet werden können (§ 255 Abs. 1 HGB)

Abschreibungen

sind Kosten für Abnutzung z. B. wegen Alters oder Wertverzehrs der Bewertungsgegenstände. Im Steuer- und Handelsrecht werden sie AfA genannt (§ 7 EStG, § 253 HGB; IAS/IFRS etc.)

Betriebskosten

sind die allgemeinen Kosten des Betriebs, der Wartung und Unterhaltung des Bewertungsgegenstandes (§ 1 Betriebskostenverordnung)

Erschließungskosten

sind die Kosten, die mit der Herstellung der örtlichen Erschließungsanlagen des zur Bebauung vorgesehenen Grundstückes verbunden sind (Grunderwerbskosten, ggf. Freilegungskosten und Herstellungskosten der Erschließungsanlagen).

Festkosten (Fixkosten)

sind die Kosten, die unabhängig von der Leistungsmenge, z. B. für die Aufrechterhaltung des Betriebs, anfallen.

Gemeinkosten

ist ein Begriff aus der betriebswirtschaftlichen Kostenkalkulation und bei der Ermittlung von Betriebsunterbrechungsschäden relevant. Gemeint sind Kosten, die sich einem bestimmten Produkt bzw. einer Leistungseinheit nicht direkt zurechnen lassen (Mietkosten, Geschäftsführergehälter etc.).

Herstellungskosten

sind die Aufwendungen, die durch den Verbrauch von Gütern und die Inanspruchnahme von Diensten für die Herstellung eines Vermögensgegenstands, seine Erweiterung oder für eine über seinen ursprünglichen Zustand hinausgehende wesentliche Verbesserung entstehen. Dazu gehören die Materialkosten, die Fertigungskosten und die Sonderkosten der Fertigung sowie angemessene Teile der Materialgemeinkosten etc. (§ 255 Abs. 2 HGB)

Nebenkosten

sind Kosten, die neben einer Hauptlast entstehen. Diese unterliegen meist einem anderen Nachweis und haben in den unterschiedlichen Anwendungsbereichen häufig eine andere Bedeutung.

Zu unterscheiden sind:

Baunebenkosten im Zusammenhang mit der Errichtung eines Gebäudes, z. B. für Planung, Baugenehmigung, Baugrunduntersuchung, Vermessung u. a. Die DIN 276 (12/08) nennt unter der Kostengruppe 700 allgemeine Baunebenkosten, die u. a. zur Kostenplanung von Projekten herangezogen werden. Auch die Zweite Berechnungsverordnung (II. BV) nennt in § 8 Baunebenkosten, die sich auf den sozialen und steuerbegünstigten Wohnungsbau beziehen.

Grunderwerbsnebenkosten im Zusammenhang mit dem Erwerb eines Grundstücks z. B. für Notar, Makler, Grunderwerbssteuer, Grundbuch.

Mietnebenkosten in einem Mietvertrag, die auf den Mieter umgelegt werden (siehe auch Betriebskosten).

Scheidekosten

sind die Kosten, die bei der Trennung eines Wirtschaftsgutes (z.B. Edelmetall, seltene Erden) von anderen Stoffen entstehen (z.B. Analysekosten, Einschmelzkosten).

Sonstige Kosten

ist eine Bezeichnung für Kosten, die innerhalb der Kostenartenrechnung nicht besonders spezifiziert werden (z.B. Kleinteile usw.).

Sowieso – Kosten

sind solche Kosten, die dem Auftraggeber in jedem Fall entstanden wären (auch Ohnehin-Kosten genannt).

Der Besteller einer Werkleistung hat nach dem Grundsatz des Vorteilsausgleichs z. B. auch die Kosten für Leistungen zu tragen, die der Unternehmer nach den vertraglichen Vereinbarungen nicht schuldet, dann aber, weil zur ordnungsgemäßen Ausführung erforderlich, zusätzlich doch erbringen muss und zwar nach dem Preisstand im Zeitpunkt der Auftragsvergabe.

Transaktionskosten

sind die Kosten, die nicht bei der Güterherstellung, sondern bei der Übertragung von Gütern entstehen (Kosten für Information, Vertragsabschluss, Versicherungsprämien, Transport, Verbringung).

Variable Kosten

sind veränderliche Kosten, die von der Ausbringungsmenge abhängig sind und z. B. bei der Deckungsbeitragsrechnung von wesentlicher Bedeutung sind.

Wartungskosten

sind Teil der Betriebskosten (siehe dort). Sie entstehen, um den Bewertungsgegenstand in betriebsbereitem Zustand zu erhalten (Kundendienst, Aufzugswartung, Heizungswartung etc.).

Quelle: Arbeitsgruppe der IHK München u. Oberbayern: Wert- und Kostenbegriffe im Sachverständigenwesen, DS 2016, 76 ff.